Wandergesellen besuchen Verwaltung

Seltener Besuch für die Verbandsgemeindeverwaltung: Die beiden Wandergesellen Fritz Wördehoff (links) und Marc Reich (rechts) legten auf ihrem Weg von Trier nach St. Ingbert einen Stopp in Saarburg ein. Seit fünf Wochen ist der 23-jährige Münchener Fritz Wördehoff auf der Walz. Sein 26-jähriger Kollege Marc Reich stammt aus Chur in der Schweiz und ist bereits seit acht Monaten auf der Walz. Damit pflegen die beiden als zwei von weltweit 400 Reisenden aller Zünfte einen jahrhundertealten Handwerks-Brauch. Mindestens drei Jahre müssen die Schreiner ihrer Zunft auf der Walz sein.

In dieser Zeit verzichten sie auf viele materielle Dinge und Annehmlichkeiten, organisieren ihren Alltag „von jetzt auf gleich“. Etwa, wie sie von A nach B kommen, oder wo sie übernachten. „Meistens trampen wir, und darüber lernen wir häufig die Menschen kennen, bei denen wir dann übernachten“, erzählen sie. Fünf Euro Startgeld erlaubt ihnen der Brauch, und mit fünf Euro werden sie am Ende ihrer Zeit auch wieder heimkehren. In einem kleinen Stoff-Bündel, das sie über der Schulter tragen, haben sie ihr Hab und Gut verstaut. Ein Handy, für die meisten unverzichtbarer Begleiter im Alltag, gehört nicht dazu. Im ersten Jahr sind die beiden ausschließlich im deutschsprachigen Raum unterwegs, danach könnte es sie durchaus auch in die Ferne ziehen.

„Viele Wandergesellen sind im Winter in Thailand oder Neuseeland“, erzählt Marc Reich. Wohin es ihn, den sogenannten Altreisenden, und seinen jungen Kollegen im Laufe der Zeit hinverschlagen wird, stehe noch in den Sternen. Lediglich die nächsten drei Stationen stehen zum Zeitpunkt des Besuchs in der Verwaltung fest. Nach St. Ingbert wollen die beiden wegen eines Stammtisches mit anderen Wandergesellen. Von dort aus soll es weiter nach Freiburg und Basel gehen. Während ihrer Walz arbeiten die Schreinergesellen auch immer wieder für einige Zeit in Schreinereien. Zu Tariflohn, versteht sich, um den Kollegen vor Ort keine Konkurrenz zu machen.

Von ihrem Leben auf der Walz sind die jungen Männer vollends begeistert. „Man kommt um die Welt, sieht viel, lernt viel, sammelt jede Menge Erfahrungen.“ Auf die Frage, was die beiden bislang am meisten begeistert, antworten beide wie „aus der Pistole geschossen“: „die Menschen, die man trifft.“