Erste Schritte nach Starkregen in der VG

Ortsgemeinde Trassem erneut betroffen: Zu einem Pressegespräch nach den jüngsten Unwetter-Ereignissen in Trassem hatten Bürgermeister Jürgen Dixius und Trassems Ortsbürgermeister Roland Konter am vergangenen Mittwoch, 30. Mai, in den Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung eingeladen. Gemeinsam mit Frank Hömme und Volker Thesen vom Planungsbüro Hömme, das die VG 2017 beauftragt hat, ein Hochwasserschutzkonzept für die Verbandsgemeinde zu erstellen, informierten sie kurzfristig über die Situation in Trassem sowie über Hintergründe zum Hochwasserschutzkonzept.

„Starkregen- und Hochwasser-Ereignisse sind kein neues Thema für die Verbandsgemeinde Saarburg“, eröffnete Bürgermeister Dixius den Termin. So sei die in den 80er Jahren errichtete Hochwasserschutzmauer in Saarburg die erste Maßnahme im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz gewesen. Seit  2008 widmet sich die  Verbandsgemeinde zudem intensiv der Renaturierung zahlreicher Mosel-, Leuk- und Saar-Bäche und -zuflüsse. Die bereits erfolgte Renaturierung der Leuk in der Ortslage Trassem habe dafür gesorgt, dass bei den jüngsten Starkregen-Ereignissen vom 29. April sowie 23. und 24. Mai nicht noch mehr Anwesen betroffen waren. Als Puffer habe sich auch die Teichanlage erwiesen, informierte Frank Hömme: 2500 Kubikmeter Wasser habe sie kurzfristig auffangen können.

Gleichwohl hat es einige Einwohner in Trassem heftig getroffen. Vor allem in der Straße Unterm Halstenberg war in den vergangenen Tagen im wörtlichen Sinne „Land unter“. Höchstes Lob hielten Dixius und Konter für die Betroffenen, aber auch für die übrigen Bewohner sowie die Feuerwehrleute und die zahlreichen Hilfskräfte von THW und DRK bereit, die unzählige Stunden mit Schläuchen, Besen, Eimern oder Sandsäcken gegen die sintflutartig niedergegangenen Wasser- und teilweise auch Schlamm-Massen kämpften. Enorme Nachbarschaftshilfe habe sich gezeigt.

„Bei drei Starkregen-Ereignissen innerhalb von drei Wochen haben die Menschen verständlicherweise die Erwartung, dass jetzt schnell etwas zu ihrem Schutz getan wird“, sagte Konter. Er, wie auch der Bürgermeister und die Fachleute von Hömme warnten jedoch davor, in übereilten Aktionismus zu verfallen. „Schnellschüsse sind nicht sinnvoll“, stellte Hömme klar und Roland Konter ergänzte: „Sie führen in der Regel ins Abseits.“

„Roland Konter hat nicht nur selbst über Tage massiv mit angepackt, sondern ist auch intensiv im Gespräch mit den Bürgern, mit dem Büro Hömme und mit der Verbandsgemeindeverwaltung“, so Jürgen Dixius.

Der Trassemer Ortsbürgermeister betonte: „Es geht nicht um Schuldzuweisung. Unterm Halstenberg sind es mehrere Dinge, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Wir müssen jetzt analysieren und schauen, wie wir gewisse Dinge für die Zukunft in die Wege leiten. Denn verhindern können wir solche Starkregen-Ereignisse nicht.“.

„Das zweite und dritte Starkregen-Ereignis konnte nur wegen des ersten Ereignisses vom 29. April stattfinden“, stellte Frank Hömme klar. Damals sei „der Transportweg für das Wasser geöffnet worden“. Im Wald oberhalb des Wohngebietes Halstenberg hätten sich die Wassermassen gesammelt. Über die landwirtschaftlichen Flächen, einen mit frischer Maissaat bestellten, offenliegenden Boden sei das Wasser von drei Seiten aus von hinten in die Wohnbebauung geschossen. Vom in der Presse häufig zitierten Hangrutsch könne indes keine Rede sein. „Das Wasser hat Bodenmassen des Ackers aufgenommen und mitgeführt, da ist aber kein Hang gerutscht“, stellte Hömme klar.

Als unmittelbare, erste Reaktion seien bereits in der vergangenen Woche etwa zwei Dutzend sogenannte Abschläge im Wald gemacht worden. Das sind Furchen, über die die Fließgeschwindigkeit reduziert und die Wasserführung in Richtung Zinnbach gelenkt werden soll. Als „weitere Sofortmaßnahme, die wir gefahrfrei machen können“, kündigte Hömme in dem Pressegespräch an, am Dienstag, 5. Juni, gemeinsam mit seinem Kollegen Volker Thesen und Ortsbürgermeister Konter jedes beschädigte Objekt zu begutachten und gegebenenfalls den Eigentümern eine Empfehlung zu geben, was sie tun können. Denn auch das wurde während des Pressegesprächs betont: Nach dem Wasserhaushaltsgesetz ist jeder Hausbesitzer verpflichtet, sich um den Schutz seiner Liegenschaft zu kümmern.

Eine weitere kurzfristige, bereits vereinbarte Soforthilfe kommt dank eines Angebotes des THW zustande. Noch im Juni soll es einen Workshop geben, wie man Sandsäcke befüllt und richtig aufstellt.

Mittelfristig sieht das Büro Hömme nach einer ersten Einschätzung folgende Ansatzpunkte:

1.      Die Art der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen prüfen und anpassen

2.      Notabflusswege in der Ortslage entwickeln, d.h. das Wasser zwischen den Häusern bzw. an den Häusern vorbei in den Zinnbach leiten („Dazu brauchen wir die Mitwirkung der Privateigentümer“, so Hömme)

3.      Prüfen, inwieweit der Zinnbach in seinem jetzigen, teilweise verrohrten Zustand geeignet ist, Wasser zu führen („Da der Bachlauf über private Flächen geht, hoffe ich, dass die Eigentümer Verständnis aufbringen“, so Hömme)

Langfristig setzen das Fachbüro wie auch der Bürgermeister und der Ortsbürgermeister auf die Lösungsvorschläge, die über das Hochwasserschutzkonzept der VG erarbeitet werden sollen. Dieses vom Land geförderte, in 2017 gestartete Projekt hat zum Ziel, ein Hochwasserschutzkonzept für das gesamte Gebiet der VG Saarburg zu erarbeiten. Jede Gemeinde wird gesondert betrachtet. Über Workshops, bei denen die Bürgerinnen und Bürger ihre Erfahrungen einbringen sollen, Ortsbegehungen, Gespräche mit Fachbehörden, Vertretern der Ortsgemeinden und VG-Verwaltung sollen Schwachstellen in den Gemeinden benannt und analysiert und entsprechende Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Die Auftaktveranstaltung war am 22. Februar im Sitzungssaal der VG-Verwaltung, der erste Workshop am 16. April in Irsch. Am Donnerstag, 7. Juni, ist der nächste Workshop für die Ortsgemeinden Freudenburg, Kastel-Staadt, Kirf und Taben-Rodt.  

Wie aktuell das Thema ist, hat sich unmittelbar nach dem Pressegespräch erneut gezeigt. In der Nacht zu Freitag haben heftige Regenfälle und eine Gewitterfront große Schäden in Saarburg, Ayl, Biebelhausen, Ockfen, Irsch und Mannebach verursacht. Die Ortsgemeinde Trassem war ebenfalls wieder betroffen.